Streifzug durch die Geschichte von Weigendorf

Zur Gemeinde Weigendorf gehören 11 Ortschaften. Im Högenbachtal sind dies Högen, Haunritz, Heilbronntal und Fallmühle. Davon ist Heilbronntal eine Gründung des 19. Jahrhunderts. Die Fallmühle gehörte schon früh zum Hofkastenamt Sulzbach. Und Högen und Haunritz waren alte Hofmarken. Wovon Haunritz bereits anfangs des 14. Jahrhunderts ein Edelsitz der Haunrader war und Högen gar schon 1043 urkundlich ist. Im Lehental liegt Oed, das in vergangenen Jahrhunderten zur Hofmark Kirchenreinbach gehörte.

Weigendorf selbst gehörte zum 1777 zu Bayern gekommenen wittelsbachischen Herzogtum Neuburg-Sulzbach. Die Sankt-Margarethen-Kirche im auf der Albhochfläche gelegenen Dorf Ernhüll geht auf romanische Ursprünge zurück, die heutige Gestalt erhielt sie im 17. bzw. 18. Jahrhundert.

Der im Tal des Högenbachs gelegene Ortsteil Högen (etwa 300 Einwohner) wurde 1043 als Hegina erstmals erwähnt, wechselte als Landsassengut mit Hofmarksgerechtigkeit mehrfach seine Besitzer. Berühmtester Lehnsherr des Schlosses, das zur Zeit renoviert wird, war der Dichter und Gelehrte Christian Knorr von Rosenroth. 1956 wurde die evangelische Johannis-Kirche geweiht.

 
 
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Auf den Albhöhen liegt NW von Weigendorf Deinsdorf. Durch dieses Dorf verlief einst die Grenze zwischen den Sulzbacher und Nürnberger Herren. Nördlich von Weigendorf, rund 80 m über dem Lehental, liegt Breitenthal mit seinem alten Burgstall. Quader aus dieser einst wohl recht ansehnlichen Wehranlage sollen zur Errichtung der Friedhofmauer in Ernhüll verwendet worden sein, das NÖ Breitenthal’s auf Mittelgebirgshöhe (535 m) liegt.

Die Nürnberger, die Sulzbacher und die Neidsteiner hatten hier Rechte. Schon 2000 bis 800 v. Chr. siedelten hier die Bronze- und Hallstattleute. In geschichtlicher Zeit hat hier wohl ein "Ero" an einer Wasserhülle gerodet. Auf das hohe Alter dieses Hochalbdörfchens weisen auch zwei Sagen hin.

Die eine Sage erzählt:
Der Hofgeistliche des Sulzbacher Grafen Rupert (um 1353) verirrte sich auf der Jagd in der Gegend westlich von Sulzbach. Todmüde sank er erschöpft mitten im Hochwald nieder und verfiel in einen tiefen Schlaf. Als er erwachte, erblickte er hoch über sich auf dem Zweig einer hohen Fichte sitzend ein liebliches Kind, das freundlich zu ihm herunterlächelte und mit dem einen Händchen in eine bestimmte Richtung zeigte.
Der geistliche Jäger suchte nun in dieser Richtung weiter, kam dabei von der Höhe herab auf eine Landstraße im Tal und auf dieser heim nach Sulzbach.
Zum Dank für seine Rettung aus der Wildnis ließ er dort, wo ihm das Kindlein mitten im tiefen Wald erschienen war, ein Kirchlein errichten und weil daneben ein kleiner Weiher war, einige Bauern ansiedeln. Erno oder Ero soll der Hofgeistliche geheißen haben.


Die andere Sage:
Die Ernhüller Hochfläche bedeckte in uralter Zeit ein großer, fast undurchdringlicher Wald. Ein Priester, der sich auf dem Weg von Sulzbach nach Etzelwang befand, war vom Fußsteig abgekommen und hatte sich im Dickicht des Waldes verirrt. Stunde für Stunde verging, doch der müde Wanderer fand nicht aus der Irre. Da kniete er nieder, bat Gott um einen Ausweg und gelobte, auf dem Platz wo er kniee, eine Kapelle zu Ehren der Hl. Margaret zu erbauen, wenn er wieder heimfände. Kaum hatte er sein Notgebet vollendet, da sah er nicht weit von seinem Betplatz plötzlich Rauch aufsteigen. Voll Freude ging er darauf zu und fand eine einsame Köhlerhütte. Der Köhler zeigte ihm den Heimweg. Bald darauf ließ der Priester das Kirchlein, das er in seiner Not versprochen hatte, bauen. Es steht heute noch. Es ist das Kirchlein von Ernhüll.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Ernhüll neun Anwesen. Um diese Zeit kommen in Ernhüll folgende Hausnamen vor: Luber, Likas, Gockl, Sieger, Simmerl, Kohler und Heiner. 


Über die Lebensweise und Lebenshaltung der Ernhüller schreibt 1845 der Lehrer Park aus Etzelwang:
Man arbeitet vom frühen Morgen bis zur späten Nacht, lebt im Hause mäßig, enthält sich des Wirtshaussitzens und kostspieliger Gastereien. Urteilt über Gegenstände der Erfahrung aus ihrem Kreise oft richtig und zutreffend.
Gesunder Menschenverstand und Liebe zur Arbeit bestimmten also damals die Lebenshaltung der Einwohner diese kleinen, landschaftlich so schön gelegenen Dörfchens. Die lärmfreie Lage, die reine Höhenluft und die Berge ringsum ergötzen jeden Naturfreund. Kein Wunder, wenn die Ortsgruppe Sulzbach der "Naturfreunde" hier ihr Naturfreundehaus errichtete.


Weithin sichtbar ist das Ernhüller Kirchlein St. Margareth. Die fast zwei Meter dicke Mauer an der Westseite des Kirchleins läßt vermuten, daß es schon im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Im Grunde wohl eine romanische Anlage. Seine heutige Gestalt hat es im 17. oder 18. Jahrhundert bekommen. Das Dachreiterlein stammt aus dem Jahr 1835. 1879, dem Gründungsjahr der Weigendorfer Feuerwehr, wurde es renoviert.


Es hielt bis zum Jahre 1977 stand. Nun mußte das Türmchen im Rahmen der Außenrenovierung völlig erneuert werden. Die stark verfallene Friedhofsmauer wurde bereits ein Jahr zuvor unter erheblichem Kostenaufwand ausgebessert.
Ebenso bemüht sich die Kirchengemeinde Ernhüll um den Abschluß einer stilgerechten Innenrenovierung des Kirchleins.
In seinem Bergfriedhof werden die Verstorbenen aus Weigendorf, Ernhüll und Oed zur ewigen Ruhe gebettet.


Es ist ein eigenartiges Gefühl, hier auf Mittelgebirgshöhe zu wandern, ringsum die Höhen der Hochalb, den schönen, geologisch und wirtschaftsgeschichtlich so aufschlußreichen Blick nach den Zementwerken Hartmannshof, dazu die Nachbarschaft des freundlichen Dorfes mit seinem gastlichen Wirtshaus und zugleich wissend, daß hier bereits vor rund 4000 Jahren Menschen wohnten, mit den gleichen Sorgen um die Erhaltung des Daseins wie wir.
Auch der Weiler Hellberg ist eine erholsame Hochalbsiedlung im SO Weigendorfs auf dem mit Lehmen und Sanden überdeckten Dolomitgewölbe zwischen dem Högen- und Weigenthal.


Die Nürnberger hatten hier im späten Mittelalter die niederen Strafsachen abzuurteilen. Auch die Steuer zogen die Nürnberger ein.
Und die Unterlangenfelder haben sich erst 1837 selbständig gemacht. Die Hausnummer 17 in Högen ist ihr Stammhaus. Der Ort liegt zwei Kilometer Ö-Weigendorf unmittelbar an der B 14.

Und Weigendorf nun, der Gemeinde Mutterdorf, mit seinen rund 80 Wohngebäuden ist ein Tal- und Grenzdorf. Drei Hochalbtäler treffen hier zusammen:
Das Weigen- , das Högen- und das Lehental. Tief schneiden diese Täler bis herunter in die gebankten Kalke des Unteren Weißjuras ein.

Diese Täler bestimmen auch seine schöne landschaftliche Lage. Zugleich aber bieten sie einen nach drei Seiten offenen Siedlungsplatz an. Solche Tal-Lagen reizen zur Frühbesiedlung. So darf man annehmen, daß Weigendorf, was so viel wie Siedlung eines "Wigo" bedeutet, ein hohes Alter hat. Auch die Endung "Dorf" weist auf eine alte Siedlung hin. Besonders in der Oberpfalz, wozu der Ort ja seit Jahrhunderten gehört.


Weigendorf und die Oberpfalz
Geschichtlich ist Weigendorf mit der Oberpfalz fest verankert. Das Gebiet des alten Landkreises Hersbruck gehörte seit dem 7. Jahrhundert zum "Nordgau". Bis zur Linie Rednitz-Regnitz. So stand das ganze Gebiet unter altem Bayerischen Recht. Das blieb auch so, als Karl der Große 788 Bayern dem Frankenreich angliederte.
Um 1007 herrschte in diesem Gebiet ein Graf Berengar, wohl Großvater der Sulzbacher Grafen. Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts gehörte das Hersbrucker Land den Sulzbacher Grafen. Nach ihrem Aussterben (1188) wurde das Gebiet staufisch, dann wittelsbachisch. Von 1353 bis 1373 war das Sulzbach/Hersbrucker Land unter Karl IV. neuböhmisch.

Das Sulzbacher Landrichteramt umfaßt Hersbruck, Lauf und Altdorf.
Erst nach dem Landshuter Erbfolgekrieg (1505) verlor Sulzbach durch willkürlichen Schiedsspruch seine westliche Hälfte an die Reichsstadt Nürnberg.
Und nun wird Weigendorf, das von Sulzbach und Hersbruck fast gleich weit entfernt ist, wirklich zum "Grenzdorf". Auf dem Vorplatz am "Haus des Gastes", das 1978 an Stelle des ausgedienten Weigendorfer Schulhauses (Baujahr 1877) errichtet wurde, steht ein alter Grenzstein mit der Jahreszahl 1750. Er zeigt auf der einen Seite das Nürnberger und auf der anderen das Kurbayerische Wappen.


Die Grenze war genau festgelegt: Sie verlief vom Deinsdorfer Brunnen den Bach hinab gegen Weigendorf, durch das Dorf und durch die obere Furt zur rechten Hand in die andere Furt im Högenbach. In den Jahren 1580 bis 1652 gab es viele Grenzstreitigkeiten. Ab 1654 begann man Grenzsteine aufzurichten.
In den Tälern pulsiert das Leben natürlich rascher als auf einsamen Hochalbhöhen. So auch in Weigendorf. Bauform und Gesamtbild der alten Häuser weisen auf fränkische und oberpfälzische Bauweise hin. Auch kann, wer dem Volk auf’s Maul schaut, beobachten, daß sich hier oberpfälzischer und mittelfränkischer Dialekt mischen.
Ansehnlich hat sich in der gesamten Gemeinde Weigendorf das gastronomische Gewerbe entwickelt, mit eine Folge der Fremdenverkehrsförderung durch die Gemeinde.

Arbeitsplätze bietet das Industriegebiet von Lauf über Röthenbach bis Nürnberg.
Die Gemeinde Weigendorf konnte sich trotz der Gebietsreform ihre Selbständigkeit bewahren, schloß sich 1978 der Verwaltungsgemeinschaft Neukirchen an und ist heute wie in vergangenen Tagen Grenzgemeinde der Oberpfalz zu Mittelfranken.
Von Fritz Metz, überarbeitet und ergänzt von K. Dreßler und H. Wicke.

Weigendorfer Grenzstein von 1750

Bei Weigendorf befand sich ein bedeutender Grenzpunkt zwischen dem Pflegamt Hersbruck und dem Landrichteramt Sulzbach des Herzogtums Pfalz-Neuburg.
Nach jüngsten Erkenntnissen ist der Grenzstein auf Anregung von Sulzbach aus von einem bekannten Nürnberger Bildhauer geschaffen worden. Als das Grenzmal am 24. September 1750 im Beisein des Landrichters von Sulzbach und des Pflegers von Hersbruck gesetzt worden ist, wurde zurecht "die Zierlichkeit und Kunst" der Wappen bewundert und der Wunsch ausgesprochen, es möge "ein beständiges Monumentum einer ununterbrochenen guten Nachbarschaft sein". Der Grenzstein, einer der kunstvollsten seiner Zeit, steht heute abseits der Straße und etwas unscheinbar an einem gepflasterten Platz.
Das Staatsarchiv Nürnberg wird im Herbst dieses Jahres eine handgezeichnete Karte des Pflegamts Hersbruck aus dem Jahr 1596 - ähnlich dem "Pfinzing-Atlas von 1594" - als Faksimile herausgeben. Hierzu gehört auch eine sehr ausführliche Grenzbeschreibung mit Würdigung aller Grenzpunkte. In diesem Zusammenhang wird der Stein von Weigendorf besonders herausgestellt und allgemeine Beachtung finden. Wie sehr sich die Gemeinde Weigendorf bislang des Grenzsteins angenommen hat, ist in der Literatur schon einmal hervorgehoben worden (Leonhard Wittmann: Die Flurdenkmäler des ehemaligen Reichsstadtgebietes Nürnberg, Teil 2: Grenz- und Pflegamtsbildung, Nürnberg 1936, S. 66/67).
Bei den Forschungen zur Edition wurde nun eine sehr interessante Notiz gefunden, auf die ich Sie hinweisen möchte. Als der Grenzstein eingebracht worden ist, hat man ihn mit einem "Zaun von Stacheten" (d.h. eine Art Flechtzaun) umgeben . Aus den Gemeinden Hartmannshof und Weigendorf sollte jeweils einer Person "die fleisige Aufsicht über solchen Grenzstein aufgetragen werden". Darüberhinaus wurde vereinbart, "Auf nechstkommenden Donnerstag ( = 8. Oktober 1750) 4 junge Aichen- oder Lindenbäume um diesen Grenzstein (zu pflanzen) und in solche Gegend einen Ruhestein für die Vorbeyreißende(n)". zu setzen

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